Die meisten Menschen denken in Berufen. Erst die Ausbildung, dann die Stelle, dann die Karriereleiter – und irgendwo auf dem Weg bleibt die Frage auf der Strecke, was einen eigentlich wirklich interessiert. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung, nicht aus der Theorie, und ich schreibe diesen Beitrag, weil mir das Thema wirklich wichtig ist – vielleicht das Wichtigste, was ich über Arbeit gelernt habe.
Denk nicht in Berufen, denk in Interessen
Ein Beruf ist nur eine Schublade, in die andere einen stecken. Das eigene Interesse ist dagegen etwas, das von innen kommt und bleibt, egal wie oft sich außen etwas ändert. Seit 1989 stehe ich auf der Bühne – nicht weil „Showhypnotiseur“ mal mein Ausbildungsberuf gewesen wäre, sondern weil mich die Sache selbst gepackt hat und nie mehr losgelassen hat. Niemand hat mir diesen Weg vorgezeichnet, keine Berufsberatung hätte ihn mir vorgeschlagen. Er hat sich daraus ergeben, dass ich dem gefolgt bin, was mich wirklich interessiert hat, nicht dem, was auf dem Papier nach einer vernünftigen Laufbahn aussah.
Was macht dich wirklich glücklich?
Stell dir diese Fragen ruhig öfter, nicht nur einmal im Leben: Was macht dich wirklich glücklich? Was erfreut dich, auch wenn niemand zuschaut? Was ist gut für dich, nicht nur für deinen Lebenslauf? Die meisten Menschen beantworten sich diese Fragen nie richtig, weil der Alltag keinen Raum dafür lässt. Aber genau diese Antworten sind der Kompass. Sie zeigen dir nicht den sicheren Weg, aber den richtigen für dich.
Mensch bleiben, sich nicht verbiegen lassen
Ein Job darf einem vieles abverlangen – Zeit, Einsatz, Nerven. Aber er darf nicht verlangen, dass man ein anderer Mensch wird. Ich habe in meinem Berufsleben genug Situationen erlebt, in denen von mir erwartet wurde, mich zu verstellen: freundlicher zu wirken, als ich war, Dinge zu verkaufen, an die ich nicht glaubte, mich kleiner zu machen, als ich bin. Jedes Mal, wenn ich das getan habe, hat es sich falsch angefühlt, selbst wenn am Ende die Zahlen gestimmt haben. Jedes Mal, wenn ich bei mir geblieben bin, auch wenn es unbequem war, auch wenn es mich etwas gekostet hat, hat es sich am Ende richtig angefühlt. Mensch bleiben heißt nicht, dass man sich nicht anpasst. Es heißt, dass man weiß, wo die eigene Grenze liegt, und sie nicht für einen Job, einen Chef oder eine Provision verschiebt.
Druck und Provisionsmodelle machen blind für das Eigene
Ich habe genug Jahre in Jobs verbracht, in denen am Monatsende nur die Zahl zählte – Provision, Quote, Vorgabe. Dieser Druck ist real, und er ist genau das Gegenteil von Kreativität. Wer dauerhaft nach fremden Zielen läuft, verlernt irgendwann zu spüren, was die eigenen wären. Man beginnt, jede Entscheidung danach auszurichten, was sich rechnet, nicht danach, was sich richtig anfühlt. Das ist keine Kritik an diesen Jobs – manche brauchen sie, auch ich habe sie gebraucht, bevor ich mich ganz auf die Selbstständigkeit verlegt habe. Aber sie dürfen nicht das Einzige bleiben, wonach man sein Leben ausrichtet. Sobald eine Zahl wichtiger wird als die eigene Überzeugung, hat der Druck gewonnen.

66 %
der Beschäftigten in Deutschland geben an, unter Dauerbelastung zu stehen.
Quelle: TK-Stressreport 2026
Die Freiheit, die die Selbstständigkeit gibt
Ich bin selbstständig. Über die Jahre sind daraus viele Kontakte und viele Möglichkeiten entstanden, die sich ergänzen und ineinandergreifen. Diese Selbstständigkeit gibt mir eine Freiheit, die ein fester Vertrag mit einem einzigen Arbeitgeber nicht geben kann: ich hänge nicht an einer einzigen Quelle, sondern an vielen gleichzeitig. Wer von vielen Seiten Aufträge bekommt, ist von keiner einzelnen vollständig abhängig. Lücken lassen sich überbrücken, weil immer wieder etwas Neues dazukommt. Das mag nicht jeder so gerne hören – manche hätten einen lieber ganz an sich gebunden, abhängig und ohne Alternative. Aber genau diese Unabhängigkeit ist für mich ein Teil davon, sich selbst treu zu bleiben.
Wenn’s nicht stimmig ist, lass es
Es gibt einen einfachen, aber zuverlässigen Hinweis dafür, dass etwas nicht zu dir passt: das Gefühl, unter Druck zu geraten, ohne dass du genau sagen kannst, warum. Wenn sich eine Aufgabe, ein Angebot oder eine ganze Richtung nicht stimmig anfühlt, ist das kein Zufall und keine Schwäche. Es ist ein Signal. Dann ist es besser, es zu lassen, auch wenn alle anderen sagen, man solle zugreifen. Ich habe das selbst zu spät gelernt und manchmal zu lange an Dingen festgehalten, die sich von Anfang an falsch angefühlt haben, nur weil sie auf dem Papier Sinn ergaben. Heute höre ich früher hin.
Was nicht zu dir gehört, macht krank
Ich bin überzeugt: alles, was nicht wirklich zu einem gehört, macht auf Dauer krank. Jeder Mensch trägt eine innere Empfindungswaage in sich, ein Gefühl dafür, was zu ihm passt und was nicht. Bleibe ich in dieser Waage, bleibe ich gesund. Sobald ich aus ihr ausbreche – mich also über längere Zeit zu etwas zwinge, das nicht zu mir gehört –, werde ich krank, auf die eine oder andere Art. Das sind für mich geistige Gesetze. Sie wirken, ob man an sie glaubt oder nicht, genauso wie die Schwerkraft wirkt, ob man sie mag oder nicht.
Der Preis ist manchmal echt – und trotzdem richtig
Ich will hier nichts schönreden: sich selbst treu zu bleiben, kann bedeuten, dass man weniger verdient. Es kann bedeuten, dass sich Chancen nicht ergeben, die sich für andere ergeben, weil die einfach mitgespielt haben. Das ist der echte Preis, und den soll man sich nicht kleiner reden, als er ist. Aber am Ende geht es nicht um die Zahl auf dem Gehaltszettel, sondern um das eigene Glück und die eigene Persönlichkeit. Und aus meiner Erfahrung führt genau das fast immer dazu, dass es irgendwo weitergeht – und zwar besser, als man es sich in dem Moment, in dem man Nein gesagt hat, selbst vorstellen konnte. Nicht, weil es irgendein Naturgesetz gibt, das das garantiert, sondern weil man mit sich selbst im Reinen ist – und das trägt einen weiter als jede einzelne verpasste Chance einen zurückwirft. Ich habe das selbst in schlechten Zeiten erlebt, in Situationen, in denen ich mir das eigentlich gar nicht hätte leisten können. Ich habe Dinge aufgegeben, die mich einfach kaputtgemacht haben, obwohl jede vernünftige Rechnung dagegen sprach. Und wie aus heiterem Himmel, wie von einer höheren Stelle geschickt, sind mir danach Dinge zugefallen, die ich nie erwartet hätte. Im Rückblick habe ich durch das Aufgeben genau dieser Dinge mehr gewonnen, als ich je hätte planen können. Das ist die eigentliche Chance an solchen Momenten: nicht an der Situation festzuhalten, sondern an dem Gefühl, das einem sagt, was richtig ist.
Kreativität ist kein Luxus, sie ist der Weg
Kreativ sein heißt nicht, ein Talent zu haben, das andere nicht haben. Es heißt, sich selbst die Erlaubnis zu geben, etwas auf die eigene Art zu machen – auch wenn es keinen vorgezeichneten Berufsweg dafür gibt. Genau daraus ist bei mir die Hypnoseshow entstanden: keine Ausbildung hat mir vorgeschrieben, wie sie auszusehen hat, keine Branche hat mir gesagt, wie ein Showhypnotiseur aus Endingen am Kaiserstuhl aufzutreten hat. Ich habe mir das selbst erarbeitet, über Jahre, aus dem heraus, was mich interessiert hat – und genau das war der Weg, nicht ein Umweg.
Aus eigener Erfahrung
37 Jahre auf der Bühne, neben ganz unterschiedlichen anderen Tätigkeiten im Berufsleben – das eine hat das andere nie ausgeschlossen. Was zählt, ist nicht die Berufsbezeichnung auf dem Papier, sondern ob man abends noch weiß, wofür man das eigentlich macht. Geh deinen eigenen Zielen nach, nicht denen, die andere für vernünftig halten. Denk kreativ statt in Kategorien.
„Bleib dir treu, gerade bei der Arbeit.“
-Udo Kubesch
Der Rest findet sich.